Günnis Reviews

Kategorie: Bücher (page 22 of 24)

Die Geschichte des erotischen Films

geschichte des erotischen films, dieISBN-10: 3881999418
ISBN-13: 978-3881999410

Das Buch aus dem Cinema-Verlag stammt aus dem Jahre 1992 und kommt im Großformat im festen Einband. Es gibt viele großformatige Abbildungen zu sehen, was ich bei einem derart visuellen Medium wie dem Spielfilm nicht als Kritikpunkt verstanden wissen möchte. Die Autoren spannen einen weiten Bogen und beginnen bei frühen Liebesfilmen über die Zeit der sexuellen Revolution bis hin zur Gegenwart. Das mag manch einem alles etwas zu weit hergeholt erscheinen, ich hingegen empfand diese Herangehensweise als fundiert und spannend; sie wirkte insofern inspirierend auf mich, dass ich mich nun nach Filmen aus verschiedensten Epochen umsehe. Der pornographische Film wird (glücklicherweise) weitestgehend ausgeklammert (jedoch nicht als Phänomen ignoriert), als grober Überblick über die Entwicklung vom ersten Kuss auf der Leinwand bis hin zum freizügigen Sexfilm ist das Buch meines Erachtens gut geeignet. Als irritierend empfand ich mitunter die anscheinend krass ablehnende Haltung, mit der die Autoren dem klassischen monogamen Ehegeflecht gegenüberstehen. Hier hätte ich mir doch etwas mehr Akzeptanz auch dieses Lebensentwurfs gewünscht, der mitnichten eine konträre Position zu Erotik und Sex einnehmen muss. Mein größter Kritikpunkt wären indes all die Beiträge über „Traumpaare der Leinwand“, die mir zu stark auf klassische Schmonzetten abzielen und von mir bis auf wenige Ausnahme schlicht nicht gelesen wurden. Auch hat das Lektorat ab und zu etwas übersehen. Ansonsten ein bestimmt lohnendes Buch, wenn man ins Thema eintauchen möchte, aber noch am relativ am Anfang steht.

Splatterpunk

splatterpunk„Splatterpunk“ hatte ich im Sommer auf einem Flohmarkt für ’ne Handvoll Kreuzer mitgenommen und jetzt kürzlich gelesen. Es enthält einige Kurzgeschichten der bisweilen etwas härteren Gangart, die allein schon dadurch interessant sind, dass Clive Barkers „Midnight Meat Train“ dabei ist. Im Anschluss befindet sich eine lange Auseinandersetzung mit dem Begriff „Splatterpunk“, für die auch immer wieder auf Spielfilme Bezug genommen wird. Außerdem werden diverse Autoren vorgestellt. Was anfänglich für mich wie redundante Begriffsklauberei anmutete, erwies sich als durchaus spannende Auseinandersetzung mit der Entwicklung des Horror-Genres in Literatur und Film. Trotz anscheinend etwas schludrigen Lektorats habe ich Lust auf den zweiten Band bekommen. Einen dritten gibt es auch noch. Alle anscheinend nur noch gebraucht zu bekommen.

Carl-Heinz Janson – Totengräber der DDR. Wie Günter Mittag den SED-Staat ruinierte

janson, carl-heinz - totengräber der ddrEin enger Mitarbeiter Günter Mittags rechnet gnadenlos ab. Ist als eine Art Gegenentwurf zu Mittags Rechtfertigungsbuch zu sehen und geht durchaus auch auf die allgemeinen Fehler im System ein, Stichwort: Kommandowirtschaft. Recht interessante, intimere Einblicke hinter die Kulissen. Aber natürlich oft auch von einer tief verwurzelten, persönlichen Abneigung des Autors gegen Mittag geprägt. Insofern etwas zweischneidig.

Günter Mittag – Um jeden Preis. Im Spannungsfeld zweier Systeme

mittag, günter - um jeden preis - im spannungsfeld zweier systemeOhne die Einheit Deutschlands wäre es in der DDR zu einer „wirtschaftlichen Katastrophe mit unübersehbaren sozialen Folgen“ gekommen.- Diese Bankrotterklärung, abgegeben von einem der mächtigsten Männer der DDR, steht am Ende seiner Betrachtung über vierzig Jahre praktizierte sozialistische Planwirtschaft: Günter Mittag, Ökonom, Politbüromitglied, Stellvertreter Honeckers im Spätsommer 1989, analysiert als Beteiligter die Strukturen der Macht und die Ambitionen der Mächtigen, sucht nach den Ursachen für den verhängnisvollen Zustand der DDR-Wirtschaft und findet sie unter anderen in den enormen Aufwendungen für „innere Sicherheit“ und Rüstung, im Mißverhältnis von Subventionen, Konsumtion und produktiver Akkumulation, im Vereiteln längst fälliger Reformen. Systembedingte Abhängigkeiten und subjektives Versagen werden dem Urteil der Geschichte preisgegeben. (Verlagstext)

in seinem ich glaube schon 1991, also kurz nach der Wiedervereinigung, veröffentlichten Buch gibt sich Mittag weitestgehend ideologiefrei, verliert kaum ein schlechtes Wort über die BRD bzw. den Kapitalismus allgemein und sieht den Untergang der DDR und die Wiedervereinigung als folgerichtig an. Er rechnet vor, warum die DDR so oder so nicht mehr überlebensfähig gewesen wäre und nennt neben den Reparationszahlungen an die UdSSR, die die BRD nicht zu leisten hatte, und dem Handelsembargo zahlreiche innenpolitische Gründe, die sich mit Ignoranz und Ahnungslosigkeit der Parteigenossen zusammenfassen lassen. Er kritisiert deutlich die exorbitanten Ausgaben für Sicherheit, Militär und verordnete Massenveranstaltungen, das Festhalten an Subventionen für quasi alle Verbauchswaren etc. und bemängelt einen falsch verstandenen Kurs im Sinne der Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik. Sein Buch liest sich wie ein ziemlicher Abgesang, seine nur zurückhaltend geäußerte Kapitalismuskritik ließe sich evtl. aber damit begründen, dass aus seiner Sicht zum Zeitpunkt des Schreibens noch Hoffnung bestand, dass sich der Kapitalismus nicht wieder gänzlich entfesseln würde. Seinerzeit bestand ja noch die UdSSR, Gorbatschow wird von Mittag in den höchsten Tönen gelobt. Interessant ist es jedenfalls, etwas tiefere Einblicke in die DDR-Wirtschaft zu bekommen, als es bei anderen Politbüro-Autoren bisher möglich war. Seine Aussagen laufen hingegen denen von Krenz und anderen konträr, die im Nachhinein behaupten, die DDR wäre gar nicht so pleite gewesen. Tja, je mehr man liest, desto mehr Ansichten, Meinungen und vermeintliche Wahrheiten erfährt man. Was soll man nun glauben? 😉

Klartexte – Beiträge zur Geschichtsdebatte

klartexte - beiträge zur geschichtsdebatte„Klartexte“ enthält gesammelte Texte aus den Mitteilungen der ja so oft verteufelten Kommunistischen Plattform der Linkspartei, die in Bezug auf die Geschichte des Sozialismus und der ihn aus Sicht der Kommunisten notwenig machenden Umstände im Allgemeinen und des real existiert habenden Sozialismus im Speziellen stehen.

Diese Texte zeichnen ein sehr differenziertes, reflektiertes Bild der KPF. Nicht alles mag man so unterschreiben, einiges aber dann doch. Mit den wechselnden Autoren wechseln auch die Schreibweisen und inhaltlichen Ausrichtungen. Einiges liest sich sehr gut, anderes eher anstrengend. Manchmal ergeht man sich zu sehr in Detailfragen und Wortklauberei, manchmal eröffnet sich einem aber auch eine interessante, zurzeit unpopuläre Sicht auf die Dinge.

Gastbeiträge sind auch dabei, z.B. vom aus der Partei ja seinerzeit ausgeschlossenen Egon Krenz.

Wer sich gern abseits der Massenmedien ein eigenes Bild über die KPF machen möchte, ist hiermit sicherlich gut bedient. Wer an liebgewonnenen Feindbildern festhalten möchte hingegen weniger.

Stefan Bollinger / Fritz Vilmar – Die DDR war anders: Eine kritische Würdigung ihrer wichtigsten sozialkulturellen Einrichtungen.

bollinger, stefan + vilmar, fritz - die ddr war andersBeginnt ziemlich wissenschaftlich und nicht unbedingt einfach zu lesen, doch hat man die Einleitung erst mal hinter sich gelassen, wird an exemplarischen Beispielen deutlich, dass auch die DDR über progressive Elemente verfügte, die im Zuge der Einheit und einseitiger Geschichtsschreibung hinweggefegt wurden und in Vergessenheit geraten sind bzw. sollen.

Sehr differenziert, kritisch und sachlich.

Mareile Kurtz – Pfui Spinne, Watte, Knopf!

kurtz, mareile - pfui spinne, watte, knopf!Kurzweilige Kurzgeschichtensammlung über ungewöhnliche Phobien. Unterhaltsam und leicht konsumierbar geschrieben, wenngleich ich nicht allen Geschichten ihren Realitätsgehalt ganz abkaufe. Zu häufig gibt es „rein zufällige“ Begegnungen mit Traummännern und Happy Ends… das riecht mir etwas zu sehr nach fiktiver Weiberlektüre. Zudem spielen einige Geschichten in widerlichen Yuppie-Millieus. Die Schilderungen der einzelnen Phobiesymptome sind aber stets sehr interessant und helfen vielleicht tatsächlich, Betroffenen mehr Verständnis entgegenzubringen.

KEIN HASS DA – HIRNTRAFO Buch + CD

(www.keinhassda.de) / (www.alligatorfarm.de)

kein hass da - hirntrafoDie BAD BRAINS waren eine außergewöhnliche US-amerikanische Hardcore-Band: Schwarze Rasta-Musiker, die ihre spirituellen Überzeugungen mit beißendem, rasantem HC-Punk vermengten, positive Energie ausstrahlten und ihr Programm mit vielen Reggae-Stücken auflockerten. Jene Band hat zahlreiche Musiker nachhaltig beeinflusst, noch immer gelten sie als ein Musterbeispiel für eigenständigen, originellen Hardcore. Gefallen lassen mussten sie sich allerdings die Vorwürfe, homophob und religiös verwirrt zu sein. Ebenfalls inspirieren lassen hat sich Chefzyniker, Exhibitionist, Ex-Kanzlerkandidat, Idiotenklavierspieler, Gedankenverpester und Comic-Verleger Karl Nagel (ex-MILITANT MOTHERS), der mit KEIN HASS DA das wahnsinnige Experiment wagte, BAD-BRAINS-Songs mit deutschen Texten zu versehen und auf eigene Weise zu interpretieren, ohne dabei das Konzept des Originals zu verraten oder bis zur Niveaulosigkeit zu abstrahieren. Dass dieser Versuch als gelungen bezeichnet werden kann, davon konnte ich mich vor zwei Jahren bei einem der ersten Auftritte der Band in Hamburg überzeugen. Nagel hat die Songs nicht nur gehört, sondern studiert und in sich aufgesaugt und scheint, auf der Bühne mit dem Mikro in der Hand stehend, eins geworden zu sein mit der Energie, die die Band transportierte. Mit einem mauen Abklatsch hat das nicht das Geringste zu tun und mit gemütlichem Altherren-Rock schon mal gar nicht. Nagel will’s mit seinen mittlerweile auch schon 50 Lenze noch einmal wissen und legt nun mit dem fertigen, sage und schreibe 29 Songs in 78 Minuten umfassenden Tonträger Zeugnis darüber ab, dass mich mein positiver Eindruck vom Konzert seinerzeit nicht getäuscht hat, ganz im Gegenteil: Den Musikern seiner Band gelingt es vorzüglich, das Songmaterial – egal ob HC-Punk oder Reggae – in die Gegenwart zu portieren, die Produktion ist über jeden Zweifel erhaben und Nagel singt in einer Qualität mit einem Stimm-, Stimmungs- und Stilumfang, als hätte er nie etwas anderes gemacht. KEIN HASS DA haben das Erbe der BRAINS nicht besudelt oder ausgebeutet, sondern veredelt und mit einer starken eigenen Note versehen, so dass sie nie in eine arschkriecherische Huldigungs-Haltung zu verfallen drohen. Nagels Interpretationen könnten Jüngeren sogar dabei helfen, den Geist des Originals überhaupt erstmals zu begreifen und damit Lust auf die alten Scheiben aus den 1980ern zu machen. Die Texte sind frei von stumpfen Parolen und regen in ihrer Poesie, klischeefreien Spiritualität und ihrem Metapherreichtum zum Nachdenken an – z.B. über Unabhängigkeit, Konsumverhalten, Hass und Gewalt, Selbstreflexion und –bewusstsein, Verweigerung usw . Nicht alle muss man dabei unterschreiben, aber als Inspirationsquelle taugen sie hervorragend. Aus „Sailin’ On“ wird dabei „Setz’ die Segel“, aus „Sacred Love“ der „Traumvulkan“, aus „I against I“ wird „Einfach dagegen“, aus „Attitude“ der „Billigflug“ etc. Religiösen Unfug umschiffte man dabei geschickt, selbst ein „Rückkehr nach Eden“ („Return To Heaven“) ist so allgemein gehalten, dass auch Atheisten und Agnostiker nichts zu befürchten brauchen. Trotz der beachtlichen Spielzeit läuft die Scheibe hier rauf und runter und wirkt dank ihres Abwechslungsreichtums kurzweilig und trotz des Tiefgangs und Anspruchs weder aufdringlich noch nervig. Man bekommt nie den Eindruck, dass das hier zu dick aufgetragen oder zuviel des Guten wäre. Ich kenne mich nun nicht so perfekt mit dem BAD-BRAINS-Katalog aus, vermutlich sind aber von jeder Veröffentlichung Songs enthalten mit Schwerpunkt auf dem ganz alten Stoff. Vier Songs wiederum stammen komplett aus der KEIN-HASS-DA-Feder, bedienen sich aber des typischen BAD-BRAIN-Stils und fügen sich perfekt in die Veröffentlichung ein. Soweit, so genial, doch KEIN HASS DA setzen noch einen drauf: Die CD ist alternativ zusammen mit einem großformatigen, gebundenen Hartcoverbuch erhältlich, das in einem Comic die (fiktive) Bandgeschichte erzählt und die Songtexte in zahlreichen Illustration von verschiedensten Künstlern abbildet, die damit ihre eigenen Deutungen der Stücke in kleinen Kunstwerken zum Ausdruck bringen. Die Comiczeichnungen stammen übrigens von Vincent Burmeister, der auch schon mit dem Skandal-Comic „Die! Oder wir“ für Aufregung sorgte, die Story ist von Karl Nagel persönlich. Unfassbar, mit wie viel Herzblut und Liebe zum Detail hier gearbeitet wurde, ich bin völlig begeistert! Das Buch ist für diejenigen, die nach Kauf der Einzel-CD angefixt wurden, auch ohne CD erhältlich. Wer das Buch direkt bei der Band bestellt, bekommt zusätzlich noch eine Vinyl-Single dazu, die drei weitere Songs enthält, die nicht mehr auf die CD gepasst haben. Diese liegt mir leider nicht vor, würde aber sehr gern von mir separat besprochen werden, wenn man sie mir denn nachschickte. Meines Erachtens ist dieses großartige Gesamtkunstwerk die momentane Referenz für den achtungsvollen, nicht rückwärtsgewandten, sondern zukunftsorientierten Umgang mit dem musikalischen Erbe „unserer Szene“ in Tribut-Form und eine, wenn nicht sogar DIE Veröffentlichung des Jahres! 1. Günni

UWE ANTON – WER FÜRCHTET SICH VOR STEPHEN KING?

(www.hannibal-verlag.de)

anton, uwe - wer fürchtet sich vor stephen king„Leben und Werk des Horror-Spezialisten“ verspricht das Cover des ca. 300 Seiten starken broschierten Buches aus dem Hannibal-Verlag. Nun, um das Leben des wohl populärsten und auflagenstärksten Autors der Phantastik, Stephen King, geht es nur am Rande, in erster Linie zeichnet Autor Uwe Anton Kings Werdegang anhand seiner Werke nach und geht dabei angenehm ins Detail. Nicht nur jeder Roman wird recht kompetent abgehandelt, sondern auch Kurzgeschichten, Comics, Sachbücher, Zusammenarbeiten mit anderen Autoren etc. pp. Dabei versucht man, in chronologischer Reihenfolge vorzugehen, verlässt diese dann und wann aber für diverse Querverweise etc., was leider zu einigen Wiederholungen führt, die so nicht hätten sein müssen. Zudem irritiert es mich, dass in zahlreichen Inhaltsangaben gespoilert wird, also Handlung und Ende vorweggenommen werden. Das mag evtl. für die Verdeutlichung der Aussage des einen oder anderen Werks unverzichtbar gewesen sein, allerdings hätte ich mir entsprechende Warnhinweise gewünscht. Ebenfalls fragwürdig finde ich Antons Kategorisierung von Kings Geschichten, die ohne übersinnliche Elemente auskommen, als „Mainstream-Literatur“, was er aber anscheinend nicht mal abwertend meint. Vielleicht hat er einfach eine eigenartige Definition des Begriffs? Einerseits betont der Autor ganz richtig den psychologischen Tiefgang von Kings Arbeiten, deren Horrorcharakteristika häufig eher nebensächlich sind und austauschbare Symbolik und Metaphern darstellen, andererseits wirddiese stringente Unterscheidung zwischen „Horror“ und „Mainstream“ vorgenommen. Das passt nicht so recht zusammen, zumal King heutzutage de facto dem Mainstream zuzurechnen ist, den er allerdings selbst mitgeprägt hat, indem er sich durch sein qualitativ hochwertiges Schaffen sein Publikum allen auch in diesem Buch beschriebenen anfänglichen Widerständen zum Trotz erkämpft hat. So liest man sich sozusagen von Buch zu Buch, bis man spätestens, als es an die Beschreibung der komplexen „Der dunkle Turm“-Saga geht, den Eindruck gewinnt, dass Antons Buch schnell fertig werden musste, bevor King schon wieder drei neue Romane veröffentlicht. Die Zusammenfassungen der „Der dunkle Turm“-Puzzlestücke wirken lieblos aneinandergereiht, ziemlich konfus und schrecken eher ab, als dass sie neugierig auf das Mammutwerk machen würden. Möglicherweise war Anton mit der abstrahierten Schilderung in Kurzform auch einfach überfordert? Leider unterstreichen die zahlreichen orthographischen Fehler den Eindruck des „Etwas mit der heißen Nadel gestrickt“-Seins, als Verlag würde ich zumindest nach so einem Ergebnis mein Geld vom Lektorat zurückfordern. Doch genug davon, denn sehr erfreulich fand ich die korrekte Einordnung des Jahrhundertwerks „Es“, für mich der beste Roman, der jemals geschrieben wurde. Hilfreich sind auch die informativen Anhänge, z.B. eine komplette Übersicht über Verfilmungen von Geschichten Kings inkl. Kurzkritiken, mit denen ich aber nicht immer d’accord gehe. Denn wer beispielsweise über John Carpenters „Christine“ allen Ernstes schreibt „Man müsste Carpenter verbieten, die Musik zu seinen Filmen zu schreiben“, dem sollte man wiederum das Schreiben über Filme verbieten. Die persönlichen Beurteilungen des Autors sind also mit Vorsicht zu genießen, wobei er sich bzgl. Kings literarischem Schaffen aber ohnehin eher zurückhält. Einige Abbildungen von Manuskriptseiten mit persönlichen Widmungen sowie einige Fotos sind auch enthalten, doch da hätte es sicherlich noch interessanteres Bildmaterial gegeben. Es wird selbstkritisch zugegeben, hiermit nur eines von etlichen Büchern über King geschaffen zu haben und ich muss konstatieren, davon kaum eines zu kennen und „Wer fürchtet sich vor Stephen King?“ daher nicht in Relation setzen zu können. Dieses hat seine Wirkung aber nicht verfehlt und mir tatsächlich wieder so viel Lust auf King’sche Literatur gemacht, dass ich mir auf die Lektüre hin gleich drei Bücher geordert habe. Somit ist dieser Führer durch Kings Lebenswerk für Einsteiger sicherlich keine schlechte Wahl.

SIEGFRIED WITTENBURG / STEFAN WOLLE – DIE SANFTE REBELLION DER BILDER

wittenburg, siegfried + wolle, stefan – die sanfte rebellion der bilderDieses Buch ist eine ziemlich unausgegorene und halbseidene Angelegenheit. Für einen Fotobildband sind der Text zu dominant und die Bildauswahl nicht interessant genug. Unverständlich ist allerdings, warum in manchen Kapiteln mit „1000 Worten“ z.B. gewisse Gebäude beschrieben werden, man ein entsprechendes Foto aber vergeblich sucht. Als ein Geschichtsbuch gleichwohl würde dieses Werk auf ganzer Linie versagen. Insofern erschließt sich mir die Intention dieser Veröffentlichung nicht ganz. Der Textteil versucht den Alltag in der DDR abzudecken und zu erklären, spinnt dabei aber weiter das Märchen vom faulen und unproduktiven DDR-Arbeiter (ein Märchen, weil die DDR zu den stärksten Industrienationen gehörte, jahrzehntelang Handelsboykotten und anderen Angriffen im Zuge des Kalten Krieges trotze und keinen „Marshall-Plan“ o.ä. zur Verfügung hatte, sondern quasi im Alleingang die aus der deutschen Kriegsschuld resultierenden Reparationsleistungen an die Sowjetunion zu leisten hatte), verwickelt sich in Widersprüche und stellt zahlreiche Behauptungen auf, ohne diese zu belegen. Richtig peinlich wird’s, wenn der Autor sich einzelne Themen wie z.B. perfekt in DDR-Wohnungen passende, genormte Möbel herauspickt und zum Anlass seiner Kritik nimmt. Wer seine persönliche Individualität unbedingt an so etwas Profanem wie Schrankwänden festzumachen versucht, soll dies gerne tun. Mir allerdings sind Menschen lieber, die sich nicht über den Besitz von Luxusgegenständen definieren und glaube fest daran, dass es wichtiger ist, was sich IM jeweiligen Schrank befindet und nicht, ob x-Tausend andere das gleiche Modell besitzen. Pseudo-Individualität lässt grüßen… Wie sieht es denn heutzutage in Deutschland aus? Richtig, die Menschen rennen scharenweise zu „Ikea“ & Co. und erstehen zu günstigen Preisen genormte Möbelstücke… ein Phänomen des Sozialismus? So ein Quatsch. Weiter geht es mit einer angeblichen „Nostalgiewelle“ in der DDR, in der „antiquarischer Kitsch“ gesammelt worden wäre. Dass es sich dabei mitnichten um etwas DDR-typisches handelt und heutzutage in Gesamtdeutschland ausgeprägter ist denn je, um entweder der Schnelllebigkeit der Zeit etwas entgegenzusetzen, weil die Vergangenheit aufgrund der ungemütlichen Gegenwart verklärt wird oder man schlicht aus ästhetischen Gründen in gewissen Bereichen aktuelle Produkte ablehnt, weiß anscheinen jeder außer den Autoren. Ebenso klar dürfte sein, dass während in der DDR diejenigen, die mangelhaft vorhandene Konsumgüter besaßen, eine gewisse Macht inne hatten und horrende Preise für z.B. Schallplatten verlangen konnten (soweit korrekt von den Autoren wiedergegeben), diese Macht in der BRD den Besitzern von Wohnraum und Produktionsmitteln zukommt, die also nicht mit Konsumgütern handeln, sondern mit elementaren Bedürfnissen des Menschen spekulieren. Letzteres, was wesentlich schwerer wiegt, wird ebenso wenig mit einer Silbe erwähnt wie die Gründe für das mangelhafte Vorhandensein gewisser Konsumgüter in der DDR – Stichwort: Kalter Krieg. Generell wird das, was der Autor an der DDR kritisiert, nie in Relation mit der BRD und in den Kontext der Vorgänge und Außeneinwirkungen des Kalten Krieges gesetzt. Trotz wirklich schöner Aufmachung des Buches mit seinem hochwertigen Papier, das zum Blättern und Stöbern geradezu einlädt, war ich gegen Ende der Lektüre fast zu glauben geneigt, die Fotos wären nur deshalb in Schwarzweiß, um ein tristeres Bild der DDR zu schaffen, als es der Realität entsprechen würde. Letztlich ist „Die sanfte Rebellion der Bilder“ eine belanglose, erschreckend subjektiv und von oben herab formulierte Mogelpackung; ein tendenziöser, verklärender, kontraproduktiver Beitrag zur Aufarbeitung der deutschen Nachkriegsgeschichte.

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