Günnis Reviews

Autor: Günni (page 39 of 104)

25.11.2016, Menschenzoo, Hamburg: MISSBRAUCH + DIE NOTENIDIOTEN + ANALKOMMANDO

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Bayern-Punk-Attacke im Menschenzoo, kann man im Zuge des nordsüddeutschen Kulturaustauschs mal machen. Ich spare mir sämtliche Witze über Jodeln, Leserhosen und Schuhplattler, die haben doch sooo ’nen Gamsbart… Bei drei Bands ging’s entsprechend früh los und die Combo mit dem unpassenden Namen ANALKOMMANDO zockte das Zeug, das man seit geraumer Zeit gemeinhin als „Deutschpunk“ bezeichnet – und zwar relativ klassisch, sowohl musikalisch als auch inhaltlich. Ich erinnere mich an einen Song gegen die USA, dass im Publikum jemand MARIONETZ forderte und der Sänger/Gitarrist sich redlich um humoristische Kommunikation mit dem noch etwas spärlich vorhandenen und abwartend bis kühl reagierenden Mob vor der Bühne bemühte – inkl. eines kleinen Animationsspielchens.

Pünktlich um Zehn wurd’s dann voller und DIE NOTENIDIOTEN spielten um die norddeutsche Publikumsgunst. Nach einem starken, street-rock’n’rolligen Opener flachte das Ganze leider immer mehr in Richtung schunkeligen Streetpunk ab, nicht sonderlich spannend, kaum Tempo und ihre musikalischen Fähigkeiten betreffend gerieten die DIE NOTENIDIOTEN dann auch an ihre Grenzen – sofern es sich unter dem ultralauten Bass überhaupt vernehmen ließ, der so sehr in Ohren dröhnte, dass ich mich möglichst weit nach hinten verzog. P.A.-Mischer Norman konnte nichts dafür, der Bass kam ohnehin nur noch direkt von der Bühne. Das kommt anscheinend dabei heraus, wenn der Bandkopf Basser ist. 😉 Ein besser aufeinander abgestimmter Sound und ein knackiges, halbstündiges Set wären hier wesentlich mehr gewesen.

Auf MISSBRAUCH hatten dann doch einige gewartet – und mussten sich noch etwas gedulden. Der Sänger hatte nämlich seine eigene Gesangsanlage dabei, die anscheinend nicht ohne weiteres zur Zusammenarbeit mit der Menschenzoo-P.A. bereit war. Da ich als DJ eingeteilt war, jagte ich also fleißig weiter einen räudigen D- und Oi!-Punk-Klassiker nach dem anderen durch die Spelunke, bis es zu vorgerückter Stunde endlich losging. Beim ersten Stück schien der ganze Aufwand noch ziemlich umsonst gewesen zu sein, denn vom Sänger war nix zu hören, weshalb er auf das Mikro seines Gitarristen zurückgriff. Anschließend fummelte er jedoch noch irgendwas an seiner Anlage, die in einem großen Koffer auf der Bühne stand, herum und endlich ertönte er in vollem Umfang. Dieser ist stimmlich etwas eingeschränkt, doch der immer leicht nölige Klargesang gehört zum MISSBRAUCH-Sound dazu. Behaupte ich zumindest mal, denn allzu vertraut bin ich mit ihrem Werk gar nicht. Kennengelernt hatte ich sie anno dazumal auf dem fünften „Schlachtrufe BRD“-Sampler, wo es mir besonders die TON-STEINE-SCHERBEN-Coverversion angetan hatte. Auf diesem dürfte sich auch „Hey Deutschland“ befunden haben, das ich im Set wiedererkannte. ‘ne kurze Recherche hat ergeben, dass ich damals zwei Platten zum Besprechen bekommen hatte und attestierte „engagierte, gesellschafts- und systemkritische Texte“ sowie: „Leider wirken viele Texte auf mich zu bemüht (…), sind zu ,vernünftig‘. Musikalisch schwankt man auch zwischen Hit und Belanglosigkeit.“ Das trifft’s auch für diesen Gig ganz gut. Während gerade die flotteren Songs mit bisweilen leicht melancholischen Melodien ganz gut ins Ohr gingen, fehlten mir bei anderen Rotz und/oder Aggressivität. Alleinstellungsmerkmal waren die Mundharmonika-Einsätze des Sängers, für die er anscheinend eigens besagte Anlage mitgeschleppt hatte. Aber je weiter man im Set voranschritt, desto mehr nutzte sich der Sound ab und klangen die Songs uninteressanter, austauschbarer, plätscherten sie zunehmend an mir vorbei. MISSBRAUCH spielten gefühlt einfach arschlange, auch hier wäre weniger mehr gewesen. Immer mal wieder gingen einige Leute vor der Bühne gut mit, doch die Kulisse hatte sich gegen Ende auch sichtbar ausgedünnt. Aufhorchen ließ mich dann noch mal die V-MANN-JOE-Cover-Version „Halte aus!“. Das Engagement der Band sowie ihr nicht unsympathisches Auftreten in allen Ehren, aber so richtig meine Baustelle ist das nicht. So geht’s mir aber mit vielen Bands, die in den ‘90ern den Begriff „Deutschpunk“ prägten und sich nicht so richtig zwischen Punk- und Sozialarbeiter-Attitüde entscheiden können. Skurril übrigens: MISSBRAUCH haben gleich mal ‘ne Mini-HH-Tour aus ihrem Abstecher in die Hansestadt gemacht und sind am darauffolgenden Abend im Gängeviertel aufgetreten.

Mit schlimmer Mucke aus meiner Sammlung beschallte ich die Bude im Anschluss noch bis 4:00 Uhr nachts und dann war Sense. Pfiats eich!

18.11.2016, Lobusch, Hamburg: LOUISE DISTRAS inkl. Band + SNAERFT + LIQUOR SHOP ROCKERS

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Die britische Punk-Liedermacherin LOUISE DISTRAS sollte die Lobusch mit einem Plugged-Set inkl. Band beehren; viel interessanter fand ich aber erst mal die erste Band des Abends, die neu gegründeten LIQUOR SHOP ROCKERS, die sich aus Weste (ex-LEFT JAB), Nina (ex-RECHARGE), Needlz (ANTI-CLOCKWISE) und Toni (ex-STONE COLD BLACK) zusammensetzen. Ein illustrer Haufen also, dessen erste Gigs ich leider verpasst hatte. Auch wenn sie sich selbst eher als klassische Punkrock-Band verstehen, können sie den HC-Background manch Mitglieds nicht verhehlen, denn für meine Ohren klang das Dargebotene bisweilen doch stark nach punkigerem HC inkl. Unity-Aufrufen etc. Die ja noch junge Band zockte bereits ziemlich souverän zusammen, da macht sich die Erfahrung der Herrschaften nicht mehr ganz jungen Alters bemerkbar. Schönes Brett, kann wat!

SNAERFT aus Berlin hatte ich gar nicht auf dem Schirm, sind anscheinend relativ kurzfristig ins Aufgebot gerutscht. HC-Punk der krustigeren Sorte mit weiblich-männlichem Wechselgesang, engagiert, unmittelbar und ungeschliffen, auf Dauer aber bischn monoton.

LOUISE DISTRAS sagte mir ehrlich gesagt vorher so gar nix, kann mich zu ihren Unplugged-Aktivitäten also nicht äußern. Mit ihrer rein weiblichen Band jedoch ging’s stark in Richtung UK-’77-Punk mit kämpferischer Attitüde und viel Melodie. Nicht schlecht, aber so langsam war meine Aufmerksamkeitsspanne an diesem Freitagabend überstrapaziert und ich war zu abgelenkt, müde etc., um mir ein halbwegs fundiertes Urteil bilden zu können. Insgesamt aber ein musikalisch abwechslungsreicher, gut besuchter Lobusch-Abend, der niemanden enttäuscht haben dürfte.

12.11.2016, Bambi Galore, Hamburg: TORTURE SQUAD + SHEMALES + BLACK MAMBO

torture-squad-shemales-black-mambo-bambi-galore-hamburg-20161112Rock’n’Rolf alias Rotten Rolf wurde 44 und feierte in Billstedts Finest rein. Coole Nummer, schließlich hatte ich ihn – damals noch zu seinen ostfriesischen Zeiten – auf seiner Party zum 30. kennengelernt. Ursprünglich waren vier Bands geplant, doch die Berliner 100000 TONNEN KRUPPSTAHL mussten leider kurzfristig absagen. Theoretisch hätte ich sogar mit einer meiner Bands einspringen können, wie man mir vor Ort mitteilte, doch Anti-Social-Media-Rolf hatte meine Telefonnummer nicht mehr… Was soll’s, schließlich waren noch drei Bands übrig und zu denen ließ sich bestens durchdrehen.

Finnland ist nicht nur für seinen dreckigen ‘80s-HC berüchtigt, sondern exportiert auch immer mal wieder feinen melodischen Stoff. So auch im Falle der drei Gentlemen von BLACK MAMBO, die mit Power-Pop/Punkrock der alten Schule, grob Richtung BUZZCOCKS und Konsorten, die Stimmung anheizten. Die grundsympathische Band sorgte bei perfektem Sound für viel Sonnenschein an diesem arschkalten Abend, nahm sich BOB MARLEYs „Redemption Song“ vor, frönte einen Song lang auch dem Offbeat, jagte einen Punkrock-Weihnachtssong durch die Anlage und wurde nicht ohne Zugabe entlassen: einer arschcoolen Version von „Do You Remember Rock’n’Roll Radio“ der RAMONES, die bewies, dass man sich mitnichten immer nur an den üblichen Standards jener Band versuchen sollte. Die gut aufgelegte Kommunikation mit dem Publikum rundete den Gig ab – makellose Live-Band!

Unter dem Namen SHEMALES betraten drei abgetakelte schwedische Schönheitsköniginnen die Bühne, die sich in ihre Fummel gezwängt hatten und schlecht rasiert waren. Mit ihrem flotten ’77-Punk stiegen trotz weiterhin glasklaren Sounds die Sleaze- und Filth-Faktoren und die Front-Diva begeisterte mit ihrem schrillen Organ. Die Drummerin hatte bisweilen mit ihrem Kit zu kämpfen, ließ sich mit ihrem Pokerface aber nichts anmerken, unterbrach ihr Spiel kurzerhand und reparierte die Schießbude, während ihre Kolleginnen Takt und Riff hielten, mit dem Publikum scherzten oder sich die Kronen richteten. Das trat alles gut Arsch und machte Laune, folgerichtig taute der Mob vor der Bühne auch immer weiter auf und das ausländische Dosenbier, das an die speziellen Trinkergäste mit dem Bierstempel für ‘nen Euro abgegeben wurde, entfaltete langsam aber sicher genauso seine Wirkung wie manch andere Spirituose, die durch die durstigen Kehlen der Partygesellschaft floss – immerhin galt es, eine Schnapszahl zu feiern. Als bester Song entpuppte sich „Time To Wake Up The Dead“, doch Schwächen waren allgemein keine auszumachen. Auch diese mir zuvor unbekannte Band überzeugte live auf ganzer Linie und hinterließ viele grinsende Gesichter.

„Ein bisschen Revolt“, stand im Netz und damit war natürlich die Metal-Reihe gemeint, die regelmäßig in der Bambi Galore stattfindet. Das bezog sich auf den Hauptact des Abends, das brasilianische Death-Thrash-Kommando TORTURE SQUAD, das sich gerade auf Tour befindet. Die hatte ich bisher so gar nicht auf dem Schirm, doch anscheinend treibt man bereits seit Anfang der 1990er sein Unwesen. Ab Mitte der 2000er konzentrierte man sich gezielter auf den europäischen Markt und hat als jüngsten Coup den immer mal wieder vakanten Vokalposten mit Mayara „Undead“ Puertas besetzt, einer jungen Dame, die growlt und röhrt, als habe sie medizinballgroße Eier. Der P.A.-Sound war weiterhin extrem differenziert, sodass sich die von TORTURE SQUAD entfesselte Apokalypse auf direktem Wege in die Gehörgänge prügelte. Brutaler, aggressiver Death-Thrash zwang zum ekstatischen Rübeschütteln, der Gitarrist entfachte manch Solo-Blitzkrieg, dass einem schwindelig wurde und der Bass mit seinem knochentrockenen Klang war so dominant in den Vordergrund gemischt, dass er zusammen mit dem Höllentrommelfeuer eine perfekte Symbiose bildete und keine Rhythmusklampfe vermissen ließ. Zahlreiche Breaks und Tempowechsel hielten das Spektakel spannend und luden zu einem noch gewissen Grad an Konzentration beim Eskalieren ein. Was TORTURE SQUAD hier an spielerischer Präzision und Variantenreichtum innerhalb eng gesteckter Genre-Grenzen bei maximaler Brutalität ablieferten, hatte mich wahrhaftig euphorisiert und nachhaltig beeindruckt. Diese Band sollte man sich merken.

Dass es all diesen geilen Scheiß für gerade mal ‘nen schlappen Heiermann auf die Löffel gab, ist aller Ehren wert und DJ Hell Toupee heizte im Anschluss die Stimmung sogar noch weiter an – „Livin‘ On A Prayer“ lässt sich halt einfach perfekt mitgrölen! Danke an Rolf für die kontrastreiche, doch immer geniale Sause und Rock’n’Roll till 88!

09.11.2016, Logo, Hamburg: MERAUDER + BROTHERS IN ARMS + DEATHBEARER

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Dass die NYHC-Legende MERAUDER sich auf Abschiedstour befindet, bedeutete „Jetzt oder nie!“ für mich, denn bisher kannte ich das brachiale Crossover-Kommando lediglich aus der Konserve. Dankenswerterweise verschlug es die Band nicht auf eine „EMP Persistence Tour“ oder ähnlichen Scheiß in die Markthalle, sondern für einen muckeligen Club-Gig ins Logo. Dort war ich nun auch schon wieder länger nicht gewesen, doch jedes Mal, wenn ich „die schwarze Box“, wie mein Vater sie zu nennen pflegte, sehe, werden Erinnerungen an alte Zeiten geweckt, als dort noch regelmäßig Oi!-Konzerte stattfanden und sich stets ein großer Pulk vor der Tür versammelte, bis die Bierbuddeln auf der Straße klirrten, ich mit meiner Palette Karlsquell mittendrin. Schöne Erinnerungen, aber alles Schnee von gestern. Jetzt war’s ein kalter Mittwoch, Karlsquell gibt’s nur noch als Malzbier und vor der Tür waren lediglich vereinzelte Raucher anzutreffen.

Dem Wochentag geschuldet war das Logo ungefähr zur Hälfte bis zu zwei Dritteln gefüllt und DEATHBEARER beendeten als lokaler Opener die Entspannungsmucke, die über die Anlage dudelte, mit Nachdruck: In nur knapp 20 Minuten prügelte und brüllte sich der Drummer/Shouter des Quartetts in Personalunion voller Inbrunst und mit ultrabrutalem Punch durch das Set, während die crunchigen Klampfen extra viel Feedback erzeugten und sich auch nicht vor Soli scheuten. Ein fetter, noisiger HC/Metal-Hassbatzen, der dem Logo splitternd ins Gebälk krachte.

Nach der ersten Pause standen die Hamburger BROTHERS IN ARMS auf der Bühne, die MERAUDER auf der Tour begleiten. Das wurde zwar nicht der befürchtete Breakdown-Overkill, aber dennoch reichlich prollig mit viel Gelaber, letztendlich einfach nicht meine HC-Baustelle. Teile des Publikums waren aber aufgetaut und zogen vor der Bühne ihre Show ab.

Aber dann: MERAUDER! Die gut aufgelegte Band zockte sich vornehmlich durchs 1995er „Master Killer“-Debüt und drückte mit ihrem wuchtigen HC/Thrash-Sound kräftig in die Fresse. Das sind „richtige“ Songs mit hohem Wiedererkennungswert, dazu das derbe Organ Jorge Rosados, das keine Gefangenen macht. Prollo-Gehabe haben MERAUDER offenbar nicht nötig, sondern hinterließen einen sympathischen Eindruck. Rosado stellte seine Bandmitglieder vor und holte später sogar ein Kind aus dem Publikum auf die Bühne, von dessen Rand aus es den Rest des Gigs verfolgen durfte. Höhepunkte waren natürlich „Life Is Pain“, „Mirror Shows Black“ und „Master Killer“ und vor der Bühne ging’s bisweilen auch gut rund. ‘ne Zugabe besiegelte den Abend und angesichts der Hochform, in der sich die Band befand, ist es schade, dass sie zukünftig nicht mehr für Live-Gigs zur Verfügung stehen will. Wie stark die alten Songs sind, wurde an diesem Abend jedenfalls noch einmal bewusst. Macht’s gut, MERAUDER!

04.11.2016, St.-Pauli-Fanräume, Hamburg: SEASIDE REBELS + VIOLENT INSTINCT + BORDERPAKI

seaside-rebels-violent-instinct-borderpaki-fanraeume-hamburg-20161104VIOLENT INSTINCT luden zur Release-Party ihres Debüt-Albums „Bis hierhin lief’s noch ganz gut“ und diesen freudigen Anlass mitzufeiern lasse ich mich natürlich nicht zweimal bitten. Steigen sollte die Sause in den Fanräumen des FC St. Pauli, in denen seit geraumer Zeit vornehmlich die St.-Pauli-Skins Konzerte veranstalten, doch den Eingang am Millerntor galt es zunächst einmal zu finden – bisher hatte es mich noch nicht dorthin verschlagen. Und nun war auch noch Winter-Dom-Eröffnung, jene überdimensionierte Hamburger Kommerz-Kirmes mit dem besonders hohen Nervfaktor, sprich: ein riesiges Spektakel auf dem Heiligengeistfeld, Menschenmassen, Zäune und Absperrungen. In Folge dessen war ich etwas orientierungslos und als wir schließlich doch nicht umhin kamen, den Dom zu betreten, fanden wir endlich das rettende Schlupfloch zum Ort des Geschehens. BORDERPAKI aus Neumünster hatten gerade mit ihrem deutschsprachigen Punkrock losgelegt, viele bekannte Gesichter waren vor Ort und das Bier gab’s ab 1,50 EUR – alles gut also, bis auf den zu leisen Gesang Rübis, der sich mit seiner Band ansonsten wacker durchs Set schlug und sich doch auf einige refrainsichere Gäste verlassen konnte, die gegen Ende auch mal kräftig mit einstimmten. Als Zugabe coverte man COCK SPARRERs „Watch Your Back“ und dann war Feierabend. Etwas mehr Wumms und Dreck hätten der Darbietung meines Erachtens aber sicherlich nicht geschadet.

In der Umbaupause zündete man auf dem Dom das Feuerwerk, als sei es für die nächste Band bestellt worden, was zusätzlich feierliche Stimmung erzeugte – war er also doch für etwas gut. Nun schlug also die Stunde von VIOLENT INSTINCT, die mittlerweile ja schon recht lange eine Konstante im hanseatischen Streetpunk darstellen und vor ein, zwei Jahren ein starkes Demo veröffentlicht hatten. Insofern ist es mehr als folgerichtig, dass sie endlich die Gelegenheit bekamen, ein Album zu veröffentlichen, dessen Songmaterial live wie immer eine gute Figur machte. Blickfang waren wie üblich Sängerin Aga sowie das Drummer-Tier mit seiner unvergleichlichen Show. Melodisch und deutschsprachig lautet die Devise und so folgte ein mitsingkompatibler Ohrwurm auf den nächsten, worauf das trotz x anderer subkultureller Veranstaltungen an diesem Abend durchaus zahlreich erschienene Publikum zunächst etwas verhalten reagierte und tendenziell eher interessiert und konzentriert zuhörte statt vor der Bühne auszurasten. Im Laufe der Zeit ging’s jedoch auch dort lockerer zu und ohne Zugaben ließ man die Band nicht davonkommen. An eine „herkömmliche“ schlossen sich zwei von Leadgitarrist Dennis gesungene Gassenhauer an, „Ultra Violence“ von THE OPPRESSED und das VERBAL-INCONTINENT-Relikt „Wochenende“. Überaschenderweise fand man sich daraufhin noch einmal komplett mit Aga auf der Bühne zusammen und intonierte gemeinsam einen berüchtigten SLIME-Klassiker. Wie üblich ein klasse Gig; Glückwunsch auch zur Platte!

Die SEASIDE REBELS betraten als Haupt-Act die Bühne und haben eine bemerkenswerte Historie vorzuweisen: Gegründet ursprünglich in Griechenland, lag die Band eine Zeitlang auf Eis und wurde nach diversen Übersiedelungen schließlich in London neu gegründet. Man hat sich melodischem, eingängigem Streetpunk verschrieben und dieser Gig war mein erster Eindruck, den ich von der Band bekam. Viele Chöre treffen immer mal wieder auf eine leicht melancholische Note. Spätestens hier fiel aber auch der allgemein für ein Punk-Konzert recht leise P.A.-Sound auf, wodurch leider etwas Druck verloren ging. Während vor der Bühne mittlerweile dauerhaft ein Pogo-Mob tobte, wussten mich die SEASIDE REBELS zunächst gut zu unterhalten, nutzte sich ihr Stil mit der Zeit jedoch auch etwas ab. Das STIFF-LITTLE-FINGERS-Cover „Tin Soldier“ machte natürlich Spaß, wenn es auch nicht die Emotionalität des Originals erreichte. Alles in allem aber ein gelungener Konzertabend in äußerst angenehmer Atmosphäre und ich hoffe, dass es irgendwann mal mit ‘nem BOLANOW-BRAWL-Gig dort klappt.

 

29.10.2016, Krombacher-Clubhaus, Ennepetal: DEAD KOYS + THE SCHABERNACKS + MANEGE FREI + DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS + VINTAGE PUSSY

dead-koys-the-schabernacks-manege-frei-disillusioned-motherfuckers-vintage-pussy-krombacher-clubhaus-ennpetal-20161029Ennepetal, die Zweite: Nachdem wir anno dazumal unseren zweiten Gig überhaupt in jenem Ruhrpott-Nest gespielt hatten, lud man uns erneut im Rahmen der Geburtstagsfeier Pepes und Wolles in die Krombacher-Räumlichkeiten ein, um zusammen mit ein paar lokalen Combos auf die Kacke zu hauen. Das Aufgebot wurde im Vorfeld jedoch noch mal kräftig durchgewirbelt, denn die eine oder andere Band musste aus diversen Gründen absagen und der EDELPENNER war schlicht nicht auffindbar. Letztendlich fanden sich aber dennoch fünf Combos. Die für Besucher kostenlose Sause fand diesmal im anderen, m.E. besser geeigneten Saal statt und nach überraschend schneller und reibungsloser Anfahrt durch unseren Fahrer T. fiel zunächst einmal auf, dass da ein wesentlich kälterer Wind als in Hamburg wehte – gibt’s das?!

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Im Inneren jedoch war das Bier schon lange kaltgestellt, die Bühne hergerichtet und wurden Filmklassiker von „Eraserhead“ über „Meet the Feebles“ bis hin zur ganz alten Stummfilm-Schule an die Wand geworfen, während Punkrock aus den Boxen dröhnte. Gab schon schlechtere Voraussetzungen! Erstmals konnten wir auch ‘nen Merch-Stand mit unserer neuen CD aufbauen, die auf den originellen Namen „Hatepunk“ hört. Von den Bands waren wir mit der weitesten Anreise natürlich die ersten, doch nach und nach trudelten Musiker und Gäste ein und mit ihnen auch das Buffet, über dessen köstliche Salate, frisches Backwerk etc. ich mich kräftig hermachte. Kompliment an die Küche und „Buh!“ an den FC Schalke und Borussia Dortmund, die sich den Pott-Derby-Klassiker schlechthin lieferten, den wir mangels Live-Streaming am Handy-Ticker verfolgten, der aber langweiligerweise 0:0 ausging.

Der minutiös ausgetüftelte Zeitplan der Veranstalter war bereits durchkreuzt, als VINTAGE PUSSY mit dem allgemeinen und ihrem persönlichen Soundcheck durch waren und ihrem hippiesken Instrumental-Gefiedel freien Lauf ließen, grob Richtung Psychedelic/Stoner Rock oder so, also so überhaupt nicht meine Baustelle und ohne jeglichen Gesang dann auch wirklich reichlich langatmig. Sorry, Jungs – so technisch versiert das auch alles gespielt war, aber ich glaub‘, da müssen affinere Zuhörer als ich ran. 😉

Wir hatten eigentlich vor, das als ausgedehntes Intro zu unserem Gig zu betrachten, jedoch machte die Schießbude dem einen Strich durch die Rechnung: Dr. Tentakel hatte beim Umbau schwer mit dem Ding zu kämpfen, einzelne Teile mussten ausgetauscht werden und die Uhr tickte erbarmungslos weiter. Entsprechend hassig war der Doc gelaunt, als wir endlich begonnen, was er in besonders flottes und aggressives Dreschen seiner Sprengköpfe kanalisierte. Während des Gigs sahen wir uns einer bunt zusammengewürfelten Geburtststagsgesellschaft gegenüber, die teils mehr, teils weniger mit uns anzufangen wusste, aber tapfer ausharrte und Applaus spendete. Spaß gemacht hat’s allemal, zumal wir einen Spitzen-Bühnensound hatten und somit fast alles reibungslos lief. Aufgrund des Zeitplans kürzten wir unser Set um den noch nicht ganz sicher sitzenden Neuling „Ghettoromantik“ und bei „Hatepunk“ verdaddelten wir den Anfang, so dass wir die Nummer abbrachen und noch mal anfingen – Künstlerpech…

Pflicht getan, After-Work-Pulle knacken und zurücklehnen, um die Lokalheroen MANEGE FREI zu beäugen/-lauschen. Und leck mich fett, das war echt mal amtlicher deutsch- und englischsprachiger HC-Punk der Sorte „Hagen asozial, Hagen primitiv“: Brutal, konsequent und kantig, treibend schnell und aggressiv, mit kehligem Gesang, hart riffenden Klampfen und hasserfüllten Texten gegen die ganze Scheiße, ey! Arschgeiles Brett und meine Begeisterung schlug sich auch am Merchandise-Stand nieder. Was die Publikumsreaktionen betrifft, waren nun ein paar mit dem Material Vertraute vor der Bühne zugange, ansonsten sah’s ähnlich aus wie bei uns: An Kaltgetränken nippen und in entspannter Atmosphäre interessiert zur Bühne lugen (dem hatte ich mich kurzerhand angeschlossen).

Auf THE SCHABERNACKS hingegen konnten sich dann alle einigen. Nach 2x hintereinander Aggro-Geholze wirkte die neue Ska-Punk-Band um Drummer und Gastgeber Wolle auf viele vermutlich wie der langersehnte Party-Kracher, wenngleich es der Combo erfreulicherweise gelang, die Leute zum Tanzen zu bringen, ohne jeglichen Stil zu vergessen und Kirmesmucke zu fabrizieren, bei der sich Aitken & Co. im Grabe umdrehen würden. Nee, THE SCHABERNACKS hatten zwar Spaß inne Backen, aber statt Studentenhüpfburgmucke wurde hier dem gepflegten Offbeat mit Bläsereinsätzen gefrönt und Raum für Gefühl und Zwischentöne gelassen, den Songs Charakter zugestanden, veredelt von einem begnadeten Sänger mit rauerem Organ und echten Entertainment-Qualitäten. Das hatte ich nun wirklich nicht von einer noch so neuen Band erwartet und war ebenso positiv überrascht wie manch anderer unserer Reisegruppe so dass, wenn alles klappt, MANEGE FREI und THE SCHABERNACKS demnächst mal in Hamburg abzufeiern sein werden.

Nach dem kollektiven Freudentaumel war die Luft dann schon etwas raus, als die DEAD KOYS auf der undankbaren fünften Startposition antraten. Dabei zockten diese kompetenten ‘90s-US-Punk mit frühen Emo-Einflüssen, wenn man so will ‘n bischn Melodic-Westcoast meets LEATHERFACE oder so. Der Sänger war mit Inbrunst bei der Sache, insgesamt vielleicht ein bisschen zu geschliffen, paar Ecken und Kanten oder Splitter könnten nicht schaden. Hat mir aber durchaus gefallen und erntete mehr als nur Höflichkeitsapplaus von mir.

dead-koys-the-schabernacks-manege-frei-disillusioned-motherfuckers-vintage-pussy-krombacher-clubhaus-ennpetal-20161030_110358Neben dem musikalischen Programm war natürlich das Wiedersehen mit zahlreichen alten Pott-Wemmsern ein freudiges, die ich ursprünglich über Kais Konnektschens kennengelernt hatte. Der gute Tristan beispielsweise war eigens aus seinem Berliner Exil angereist und drohte schon wieder einen DMF-Gig in der Reichshauptstadt an, was uns natürlich gelegen käme, haben wir dort doch noch etwas gutzumachen… Nachdem sich der Großteil der Gäste verabschiedet hatte, ging’s noch mit ‘nem ganz Mob ins anliegende Wohngebäude, wo sich der letzte Absacker genehmigt wurde, bevor‘s nach einem Frühstück inkl. bandinterner Diskussion über den Bräunungsgrad der Brötchen am nächsten Morgen wieder gen Heimat ging und uns unser Fahrer mit seiner Worst-of-HSV-und-LKW-Fahrer-Country-Playlist in den Wahnsinn trieb. Danke an Wolle, Pepe & Co. für die Einladung, Gastfreundschaft, Kost und Logis und auf bald!

P.S.: Danke auch an Jana für die Fotos unseres Gigs sowie den einen oder anderen weiteren Schnappschuss!

STRASSENJUNGS – DAUERLUTSCHER-REPORT 1 DVD

Die Frankfurter STRASSENJUNGS werden oftmals zur ersten Generation deutscher Punkbands gezählt und tatsächlich waren sie 1977 mit ihrem Debüt „Dauerlutscher“ verdammt früh am Start. Dass es sich um so etwas wie ein Industrieprojekt auf einem Major-Label handelte, das vom auch kommerziell interessanten Punk-Boom ein Stück abbekommen wollte, handelte ihnen in der Punkszene jedoch auch den Ruf ein, wenig authentische Pseudos zu sein, zumal es sich musikalisch mehr um „angepunkten“ Straßen-Rock’n’Roll handelte. Dabei wird jedoch gern übersehen, dass Bandkopf Niels Selzer nach der ersten LP im Prinzip eine ganz neue Band formierte, die ohne die etablierte Musikindustrie auskam. Mit dem selbstgegründeten Label „Tritt Records“ folgte er dem D.I.Y.-Prinzip und veröffentlichte Alben wie „Wir ham ne Party“ und „Los!“ in Eigenregie. Auch in den Folgejahren blieb man stets mehr oder weniger aktiv und brachte es schließlich auf eine stattliche Anzahl an Plattenveröffentlichungen.

2012 schließlich entwickelte Selzer den bandbiographischen Dokumentarfilm „Dauerlutscher-Report 1“, der von seinem „Tritt“-Label auf DVD gepresst wurde. Mit Sonnenbrille sitzt er vor Computer-Monitoren in seinem Homestudio o.ä. und führt streng chronologisch durch die Band-Historie, von Jahr zu Jahr bzw. von Album zu Album. Gespickt mit der einen oder anderen Anekdote wird anhand alter Live- und TV-Aufnahmen, Videoclips und Fotos der Werdegang dokumentiert, angefangen beim „Dauerlutscher“ über die Neugründung bei weiterhin rock’n’rolligerem Sound, die ‘80er, in denen man sich klanglich deutlich der Neuen Deutschen Welle zuneigte bis in die ‘90er, in denen man anscheinend deutlich hardrockiger wurde und öffentlichkeitswirksam zusammen mit dem damaligen Eintracht-Frankfurt-Trainer „Stepi“ den Verein besang, sich musikalisch an einem Anti-Hooligan-Fanprojekt beteiligte und sogar im unsäglichen „Bärbel Schäfer“-Trash-Talk auftrat. Auch in den 2000ern ging’s für die STRASSENJUNGS weiter, u.a. mit einem vom „WDR Rockpalast“ übertragenen Live-Gig. Dass man sich den „Arsch abgetourt“ habe, avanciert zum geflügelten Wort der Doku.

In ihrer hessischen Heimat dürften die STRASSENJUNGS einen wesentlich höheren Stellenwert genießen als hier im Norden und so kannte ich als einziges vollständiges Album bisher lediglich die „Wir ham ne Party“, die ich etwas, nun ja, speziell empfand. Das eingedeutschte „Do you wanna dance“-Cover „Immer weiter gehn“ ist mir jedoch dauerhaft im Ohr geblieben, wenngleich mir die Band eher ein Rätsel blieb. Dies hat sich mit dem „Dauerlutscher-Report 1“ ein gutes Stück weit geändert. Rund 90 Minuten lang plaudert Selzer nicht unsympathisch und durchaus humorvoll aus dem Nähkästchen. Dass dabei nicht viel Zeit für Tiefergehendes oder Details bleibt, liegt auf der Hand; um den Zuschauer anzufixen langt’s aber dicke, wenngleich die STRASSENJUNGS irgendwie ein Kuriosum bleiben: Pubertäre Sex-Texte mischen sich mit antikapitalistischen Statements, raue Straßenlyrik trifft auf Albernheiten und biederer Altherren- bzw. breitbeiniger Prollrock auf künstlerisch ambitionierten NDW auf frechen Punk etc. pp, seitens des Zuhörers Fremdschämpotential auf ehrlichen Respekt – auch nach einem groben Durchhören der bei Spotify hinterlegten Songs scheint mir das STRASSENJUNGS-Œuvre vor allem eine große Wundertüte zu sein, in der herumzuwühlen und nach Perlen zu tauchen bestimmt Spaß machen kann, weshalb ich es mir ausdrücklich vorbehalte.

Die Dokumentation wirkt semiprofessionell und wurde augenscheinlich ebenfalls in D.I.Y.-Manier zusammengeschustert, was durchaus seinen Charme hat, wenngleich Selzer offenbar auf ein paar alberne Computereffekte nicht verzichten konnte. Bei all seinem Engagement für die Band ist schwer vorstellbar, dass es eine Bandphase gab, in der er sich aus gesundheitlichen Gründen im Hintergrund halten und seinen Sängerposten abgeben musste – was sicherlich auch eine spannende Zeit war, von der man gern mehr erfahren hätte. Bei aller Kritik an den STRASSENJUNGS, deren Punk-Anspruch ihnen die Szene nicht immer abnimmt, haben sie es doch anscheinend geschafft, eine Nische derart zu besetzen, dass ihre Musik noch immer einträglich ist. Bei genauerer Betrachtung ist dies eine Nische, mit der andere aus der Punk-Subkultur stammende, etwas jüngere Bands es zu wesentlich größeren Erfolgen gebracht haben; zumindest drängen sich gewisse Vergleiche auf. Insofern ist einer meiner ersten Eindrücke nach Sichtung des Films dann auch, dass die Punkszene mitunter zu hart mit der Band ins Gericht geht, die es immerhin irgendwie verstand, ihrem D.I.Y.-Prinzip jahrzehntelang treu zu bleiben. Ich liege sicherlich nicht komplett verkehrt, wenn ich der Band attestiere, öfter mal einen Spagat zwischen dem, worauf man selbst gerade am meisten Bock hatte und gewissen kommerziellen Experimenten probiert zu haben. So oder so ist der „Dauerlutscher-Report 1“ gerade auch ein pop- und subkulturell interessantes Zeugnis, bei dem die Zeit wie im Flug verging – möglicherweise aber eben auch deshalb, weil ich bereits im Vorfeld neugierig auf diese für mich nie richtig greifbar gewesene Band gewesen bin. Wer hingegen eine anarchische Punkumentary erwartet, wird woanders sicherlich besser bedient.

22.10.2016, Bambi Galore, Hamburg: Iron Underground Vol. 1 mit IRON KOBRA, WITCHING HOUR, MIDNIGHT PREY, VULTURE und CHEROKEE

iron-underground-vol-1-bambi-galore-hamburg-20161022Endlich mal wieder nach Billstedt zu Hamburgs Top-Adresse in Sachen Mäddl: „Iron Underground Vol. 1“ hieß der Anlass, für den gleich fünf Bands über die Bühne geschliffen wurden. Zu Hause brach ich die Sportschau ab und machte mich auf den Weg, denn schon um 20:30 Uhr eröffneten CHEROKEE den Abend, die für die leider verhinderten HH-Thrasher REAVERS eingesprungen waren. Die Kölner zockten gediegenen Retro-Hardrock mit weiblichem Gesang, der in seinen stärksten Momenten etwas an THIN LIZZY erinnerte. Auf der Bühne ging ’ne Buddel Whiskey um und wenn CHEROKEE bischn Gas gaben, ging’s mir gut ins Ohr, ansonsten war‘s aber weniger meine Mucke und bei Räucherstäbchen (die immerhin in einem Tierschädel steckten) krieg‘ ich tendenziell Plaque, während ich Fransenwesten zu keinesfalls erhaltenswerten ‘70er-Modesünden zähle. Nichtsdestotrotz hatte die Sängerin ’ne gute Stimme, verstand ihr „Handwerk“ und waren auch ihre Kollegen technisch durchaus versiert, so dass Freunde dieser Musik mit CHEROKEE auf ihre Kosten kommen dürften.

VULTURE aus NRW hatten ihr Anfang des Jahres erschienenes Demo-Tape auf eine 4-Track-Mini-LP gepresst, die im Deaf Forever von Götz Kühnemund direkt zu seiner „Speed-Metal-Scheibe des Jahres“ gekürt wurde. Das dürfte dem Quintett einen ordentlichen Popularitätsschub beschert haben, tatsächlich sind VULTURE seit einiger Zeit in vielerlei Munde. Die Band hat sich quasi direkt aus der Mitte der ’80er rübergebeamt, um fiesen Speed Metal irgendwo zwischen EXCITER, AGENT STEEL und NASTY SAVAGE zu zelebrieren. Und letzteres kann man hier ruhig wörtlich nehmen, denn vom großartigen Artwork ihres Merchandise über das Bandlogo bis hin zur Bühnenpräsenz versucht die Band offenbar, ein zur Musik passendes ästhetisches Gesamtkunstwerk zu schaffen. Während des Soundchecks sicherte man sich eine Überdosis Hall auf den Gesängen und nach dem Intro begann man den o.g. Sound nach allen Regeln der Kunst zu schroten – zunächst nur einen Song lang, dann gab’s ein Zwischendrintro aus der Konserve und weiter ging’s. VULTURE zogen fiese Grimassen, spielten gemeine Riffs und ließen’s ordentlich krachen, dann und wann erklang ein Soundeffekt aus dem Off als nettes Detail und irgendwann musste JUDAS PRIESTs „Rapid Fire“ dran glauben. Atmosphärisch war das astrein und ich fühlte mich tatsächlich um Jahrzehnte zurückversetzt, mit dem Hall hatte man’s dann aber doch etwas übertrieben. Besagte Vier-Song-Scheibe hatte ich mir einige Wochen zuvor bisher nur einmal im Netz reingezogen (und für hörenswert befunden); über welche Halbwertszeit das Material abzgl. Image und Drumherum verfügt, wird der Test der Zeit zeigen. Relativ früh verließ man die Bühne, vor der es sich sehr gut gefüllt hatte, musste aber noch für eine Zugabe ran. Diese wurde kurioserweise von einem der Gitarristen gesungen, der von einem der WITCHING-HOUR-Klampfer als Gast unterstützt wurde. VULTURE können auf jeden Fall wat und ich hatte nach diesem rippenden Speed-Metal-Inferno Laune!

Und zwar auf MIDNIGHT PREY aus Hamburg, die bisher zwei Demos und die EP „Rite of Blood“ am Start haben. Direkt beim Soundcheck riss Gitarrist und Sänger Winston ‘ne Saite, so dass sich der Beginn etwas verzögerte. Dann jedoch überzeugte das Trio mit speedigem, düsterem Metal mit peitschenden Drums, zeitweise klagendem Gesang und ebenfalls ‘ner ordentlichen Dosis Hall, sodass eine nicht minder atmosphärische Stimmung den Club ergriff. Auch dieser Auftritt machte von der ersten bis zur letzten Sekunde Spaß und das MANILLA-ROAD-Cover „Necropolis“ besorgte den Rest. Daumen hoch!

WITCHING HOUR aus dem Saarland haben sich dem Black-Thrash verschrieben, einer Oldschool-Spielart, die sich ungebrochener Beliebtheit erfreut und immer wieder neue Bands hervorbringt, die sich von VENOM und den Anfängen des Teutonen-Thrash beeinflusst zeigen. Ich musste erst mal recherchieren, inwieweit mir speziell diese Vertreter schon mal untergekommen waren, mit dem Ergebnis, dass ich zumindest schon mal reingehört und mir einzelne Songtitel notiert hatte. Die Jungs sind schon länger dabei und bringen’s neben ‘ner Split-Scheibe und einer EP bereits auf zwei Langdreher. Shouter/Gitarrist Jan hat sich anscheinend seiner langen Loden entledigt, was der Qualität der Band jedoch natürlich keinen Abbruch tat. Superaggressiver Black-Thrash entzündete ein wahres Inferno, jedoch ohne melodische Einsprengsel vermissen zu lassen, die die einzelnen Songs mit Wiedererkennungsmerkmalen und – auch auf die Gefahr hin, diesen Begriff heute überzustrapazieren – Atmosphäre versehen. Publikumsliebling schien „Barbed Wire Love“ zu sein, bei dem’s vor der Bühne noch mal richtig abging und es folgte im Anschluss direkt noch ein Kracher ähnlichen Kalibers hinterher. Auch WITCHING HOUR hatten ordentlich Hall auf dem Gesangsmikro, der Drummer gereichte mit seinen Fills Chris Witchhunter zur Ehre und als man in die Cover-Kiste griff, förderte man EXODUS‘ „Metal Comand“ zu Tage. Auch wenn vor der Bühne die Kräfte langsam nachließen, war das ein immens starker Gig, der mit einem schön langgezogenen Live-Outro endete. Schade, dass die Band keinen Merch dabei hatte, ich hätte mir glatt etwas mitgenommen.

Wesentlich fröhlicher ging’s schließlich bei den Power./Speed-Metallern IRON KOBRA auf der Bühne zu, denen die Aufgabe zuteilwurde, den Abend ausklingen zu lassen. Wobei das sicherlich das falsche Wort ist, denn die Gelsenkirchener, die Hamburg in schöner Regelmäßigkeit beehren, mobilisierten noch mal alle Kräfte. Anscheinend in Aushilfsbesetzung angetreten, stellten sie die Frage „Habt ihr noch Bock auf Heavy Metal?!“, worauf es natürlich nur eine Antwort gab. Weit mehr als während ihres Sommer-Gigs bei den Tipsy Apes verwandelte die Band ihre Bühne zur Partyzone, grinste sich bestens aufgelegt kräftig eines und interagierte mit dem Publikum. Das etwas kuriose, deutschsprachige „Wut im Bauch“ fehlte ebenso wenig wie eine ausgedehnte Fassung von „Heavy Metal Generation“, für das der Sänger seine Klampfe abschnallte und sich ins Publikum gesellte, wo jeder mal mitsingen durfte. Die CHEROKEE-Sängerin wurde beim Stagediving beobachtet, ‘ne Zugabe gab’s auch noch auf die Löffel und nach viel zu vorgerückter Stunde dann doch kräftezehrendem kollektivem Headbanging, Fistraising und Mitgröling hieß es irgendwann „Jetzt wird gesoffen!“, was die Band in erster Linie auf sich bezog, denn sie hatte ihre Schuldigkeit wahrlich getan. Anstatt mir weiter die Kante zu geben, trat ich den geordneten Rückzug an und freute mich über einen weiteren großartigen Abend in Hamburgs Metal-Club Nr. 1, der einem mit gleich fünf Bands auch einiges abverlangte – doch es hat sich gelohnt!

Schön zu sehen, welch hochklassiges Aufgebot bei moderaten Preisen zusammengestellt werden kann,  wie der deutsche Metal-Untergrund brodelt und mit welchem Engagement und welcher Attitüde die Leute dabei sind, um ihn am Kacken zu halten. Wann folgt Iron Underground Vol. 2?

01.10.2016, Der Clochard, Hamburg: S.O.R.B. + TOBSUCHT + UPPER CRUST + AUSVERKAUFT

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S.O.R.B. aus dem Flecken Harsefeld (bei Buxtehude) sind wieder aktiv und feierten gleich mal ihr 25-jähriges Jubiläum mit drei befreundeten Bands mitten auf dem Hamburger Kiez. Als Ort der Sause hatte man den Clochard auserkoren, eine berüchtigte 24-Stunden-Asi-Kneipe auf der Reeperbahn, die seit einiger Zeit auch regelmäßig Gratis-Konzerte veranstaltet. Ich hatte die Kaschemme seit gefühlt 100 Jahren nicht mehr betreten, das Konzert dort war für mich somit ein Novum. Freier Eintritt ist natürlich angenehm, die Getränkepreise liegen etwas über denen beispielsweise des Menschenzoos und das Ambiente ist rustikal-siffig. Über allem liegt der Geruch von Klostein, gegen den es an einem Abend wie diesem kräftig anzurauchen und -zuschwitzen gilt. Ein nettes Alleinstellungsmerkmal ist die Dachterrasse, auf der man frische Luft inhalieren kann und die mit einem Netz gegen Flaschenwürfe o.ä. gesichert wurde. Als AUSVERKAUFT, die sich anscheinend aus verschiedenen niedersächsischen Örtchen rekrutieren, pünktlich um 22:00 Uhr loslegten, war die Bude ratzfatz gerappelt voll. Eine Sitzbank trennte den Bühnenbereich vom Publikum und diente in erster Linie dazu, zu verhindern, dass ständig jemand in Band oder Equipment/P.A. fliegt. Vom ersten Akkord an hatten AUSVERKAUFT den Pöbel auf ihrer Seite, der ausgelassen tanzte und feierte. Geliefert wurde ungezwungener Gröl-und-Sauf-Dorf-D-Punk von der Basis für dieselbe, wie er glücklicherweise allen musikalischen und szeneinternen Trends zum Trotz nicht totzukriegen ist und mit seinem bisweilen etwas naiven Asi-Charme all denjenigen Laune macht, die SCHLEIM-KEIM für eine der besten Bands halten, gern mit Kasenknoter und Billigfusel in Fußgängerzonen rumhängen und Staat und Gesellschaft mehr so suboptimal finden – Menschen wie dir und mir also. Nach einer ganzen Reihe eigener Songs wurde der Cover-Koffer geöffnet und so erklangen LOIKAEMIEs „Good Night White Pride“ ebenso wie die LANDSER-Verballhornung „Mein Opa war Suppenkoch bei der RGF“, THE EXPLOITEDs „Sex and Violence“ und KNOCHENFABRIKs „Filmriss“ (der glaube ich direkt 2x hintereinander gespielt wurde). Zwischendurch kam der Drummer nach vorn und sang irgendeine extrem alberne Nummer und ein Quoten-Offbeat-Song hatte sich auch noch eingefunden. Letztendlich zockten AUSVERKAUFT über eine Stunde und sollten bis zum Schluss die euphorischsten Reaktionen eines Publikums hervorrufen, das sich im weiteren Verlauf des Abends dann doch spürbar ausgepowert zeigte.

UPPER CRUST waren wieder vollzählig mitsamt Shouter am Start. So weit, so gut und ich hab‘ in der Vergangenheit ja schon mehr als genug zur Band geschrieben, die an diesem Abend leider arge Probleme mit dem Sound hatte. Der Gesang bewegte sich zwischen den Polen schemenhaft wahrnehmbar und hoffnungslos übersteuert, so dass UPPER CRUST nicht den besten Abend erwischt hatten. So ganz ihr Publikum war das dann auch nicht, doch wer mit dem Material der LP vertraut war, konnte trotzdem Kracher wie „Leeres Zimmer“ oder „Hypochonder“ feiern.

Im Anschluss also S.O.R.B., die ich Ende der ‘90er mal im Fundbureau (keine Erinnerung mehr dran) und Anfang der 2000er auf dem Buxtehuder Birkenhain gesehen haben dürfte. Mehr als die Split-7“ mit LINKSABBIEGER (1996) und die 7“-EP „Kotz nicht“ (2002) hat man meines Wissens bis heute auch gar nicht veröffentlicht und sich lange Zeit extrem rar gemacht. Jüngst spielt man aber wieder live; inwieweit das Bandjubiläum dafür Anlass war, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Bandmitglieder hatten sich in Schale, sprich: Anzug und Krawatte geschmissen, derer sie sich jedoch im Laufe des schweißtreibenden Gigs nach und nach entledigten. S.O.R.B. rotzten ihren Uptempo-HC-D-Schrammelpunk herunter und vor der Bühne war wieder mehr los. Kurze, nicht dumme Ansagen boten Einblicke in die Textinhalte zwischen Spaß und bitterem Ernst, „Meiern bis wir reihern“ kannte ich von einem der „Sicher gibt es bessere Zeiten…“-Sampler und „Kotz nicht“ musste auch noch mal als Zugabe herhalten. Da kamen vermutlich sämtliche Songs aus 25 Jahren Bandkarriere zu Live-Ehren, Teile davon durch die Flüstertüte gesungen und ich meine, ein BLACK-FLAG-Cover herausgehört zu haben („Nervous Breakdown“?). Alles in allem ‘ne feine Sache, zumal ich bis vor kurzem nicht geglaubt hätte, S.O.R.B. überhaupt noch mal zu Gesicht zu bekommen. Dank vorgerückter Stunde, gestiegenem Pegel und der ebenfalls nicht ganz gewöhnlichen Dauer des S.O.R.B.-Gigs machten sich mit der Zeit dann aber doch gewisse Abnutzungserscheinungen bei mir bemerkbar.

Schon nach halb drei war’s, als die Buxtehuder TOBSUCHT zur Tat schrieten. Die HC-D-Punk-Band besteht aus alten Bekannten von mir und so war das livehaftige Wiedersehen und -hören nach verdammt langer Zeit natürlich eine Freude. Shouterin Babette rüpelt sich rotzig durch das authentische, pogotaugliche Material und wird dabei von einer Background-Sängerin am Bühnenrand begleitet, weiterer Aktivposten ist Gitarrist Tierchen, der sich neben dem genretypischen Schrammelsound auch gern mal das eine oder andere feiste Metal-Riff aus den Hüften leiert und damit ebenso für Abwechslung sorgt wie mit kurzen, eruptiven, von ihm gegrowlten Songs. Bassist Sven setzte sein Pokerface auf, während er den Tieftonteppich ausrollte und der Beat stammte von der im geschmackvollen VENOM-Leibchen gewandten Drummerin Kim, die seit einiger Zeit den ehemals vakanten Posten am Schlagzeug besetzt – und für mich die Überraschung des Abends war, da sie weit weniger rumpelt als ihr Vorgänger. Diese Band macht sich ebenfalls recht rar, mein letzter TOBSUCHT-Gig ist locker vier Jahre her, aber diese Entwicklung ist erfreulich. Leider war ein größerer Teil des Publikums nach S.O.R.B. bereits abgewandert, doch genug Hartgesottene waren geblieben. Diese wurden nach einigen Songs Zeuge gewisser Unstimmigkeiten auf der Bühne, die verhinderten, dass es planmäßig mit „Bullenstaat“ weiterging und Tierchen kurz zum Alleinunterhalter machten, doch nachdem die Bühne durch ein beherztes Verschieben der Bank vergrößert worden war und das Publikum mittlerweile ungeduldig eben jenen „Bullenstaat“ eingefordert hatte, erschallte auch dieser Song und die Band agierte wieder vollzählig. Der Plan sah, wie ich es von vergangenen TOBSUCHT-Gigs bereits kannte, offenbar vor, alle >30 Stücke darzubieten und das Publikum mürbe zu spielen, weshalb ich mich gegen 4:00 Uhr oder so dann doch höflich verabschiedete und damit für mich ein Punk-Konzert endete, das Erinnerungen an alte Zeiten weckte und sich tatsächlich einmal irgendwie ganz anders anfühlte.

16.09.2016, Menschenzoo, Hamburg: SNIPER 66 + DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS

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Ersatz vom Ersatz waren wir an diesem Abend, denn eigentlich sollten NASSER HUND den Support machen. Als die ausfielen, fragte man meine andere Band BOLANOW BRAWL, doch die konnte auch nicht und so sprangen letztendlich wir ein. Von SNIPER 66 hatte ich zuvor noch keine Notiz genommen, für die Texaner sollte es aber ein historisches Ereignis werden, begannen sie an diesem Abend doch ihre erste Europa-Tour! Die lokale Promotion gestaltete sich unterdessen etwas schwierig, da es erst einen Tag vorher gelang, die Veranstaltung auch im Bewegungsmelder unterzubringen. Angesichts diverser subkulturell relevanter Parallelveranstaltungen überraschte es dann auch wenig, dass es geraume Zeit dauerte, bis sich der Menschenzoo passabel gefüllt hatte. Gegen 22:30 Uhr war ich dann lange genug nervös herumgerannt und wir prügelten unser um einen Song gekürztes Set durch. Normans Soundgemisch klang ordentlich und für unsere Verhältnisse lieferten wir relativ souverän ab. Den Platz vor der Bühne hatte ich mir gesichert, was neben Bewegungsfreiheit den Vorteil mit sich brachte, in der monitorlosen Spelunke den Livesound perfekt wahrnehmen zu können, so dass ich mich vornehmlich darauf konzentrieren konnte, schlechte Laune zu verbreiten und mich hingebungsvoll meinem Hassgesang zu widmen. Beinahe hätte „Montag der 13.“ dran glauben müssen, da ich die falsche Setlist ausgedruckt hatte, aber instinktiv bemerkten wir sogar an der richtigen Stelle sein Fehlen – eigentlich brauchen wir also gar keine Setlist (kleiner Scherz, das probieren wir mal besser nicht). Ansonsten schlicht ein rustikaler Gig ohne besondere Vorkommnisse, mit dem wir zufrieden sein konnten und der den Anwesenden Lust auf mehr bereitete.

Natürlich auf die Streetpunks aus Austin, die schon zwei Langdreher draußen haben, sich im Soundcheck und anschließendem Backstage-Tratsch als OXYMORON-Fans entpuppten und anscheinend in Kürze auch auf einem US-Tribut-Sampler an die fränkische Streetpunk-Institution beteiligt sein werden. SNIPER 66 zogen doch einige Fans in der Hansestadt und fackelten live ein deftiges Brett ab, das für ausgelassene Stimmung im nun noch volleren Zoo sorgte. In Vierer-Besetzung mit zwei Gitarren wurde, obwohl alle ein Instrument zu bedienen hatten, nicht nur angenehm abwechslungsreicher Streetpunk der schnellen und dreckig-aggressiven Sorte mit kräftigen Kollektivchören und schön räudig-kehligem Gesang, sondern auch ‘ne Menge Bühnen-Action geboten, wobei besonders Drummerin April hervorzuheben ist, die, Hassgrimassen ziehend, auf ihr Kit eindrosch, als gäb’s kein Morgen mehr und diverse Sticks verschliss (was nicht nur Pokerface Dr. Tentakel in Erstaunen versetzte). Man ließ sich nicht lumpen und spielte über eine Stunde; gegen Ende gab’s dann auch das überaus kompetent gezockte OXYMORON-Cover „Life’s A Bitch“, dem wir schon während des Soundchecks lauschen durften. Das Publikum war gut aufgekratzt, teilweise überraschend textsicher und mitgrölfreudig, ein paar Leute immer am Tanzen und auch der betrunkene Hüne, der zwischenzeitlich dann doch etwas arg die Rücksicht auf andere vermissen ließ, konnte die gute Stimmung nur kurzzeitig dämpfen. Alle waren besonnenen genug, die Situation nicht eskalieren zu lassen und er schien’s auch nicht darauf anzulegen. Unser Bandbier hatten wir längst vernichtet, doch Eisenkarl schmiss noch ‘ne Kiste köstliches Ratsherrn und so blieb’s feuchtfröhlich, bis ich nach Merch-Kauf und einem letzten Plausch mit den glücklichen und euphorischen US-Gästen den geordneten Rückzug antrat.

Spitzenabend, von dessen Sorte SNIPER 66 auf ihrer dreiwöchigen Tour hoffentlich noch so einige (gehabt) haben werden! Am nächsten Tag ging’s für sie nach Schweden, wo sie hoffentlich von keinem allzu unbarmherzigen Kater heimgesucht wurden. 😉 Diverse deutsche Städte stehen aber ebenfalls noch auf der Route. Wenn sie also in eurer Nähe Halt machen, wisst ihr, was zu tun ist.

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