(www.asphalt-records.de) / (www.arglistige-toischung.de)

Arglistig getoischt wurde ich in jedem Falle von dieser jungen Münchener Band, spielt Sie doch gar keinen Stumpf-Oi!, wie der Name zunächst vermuten lässt, sondern eine herrlich erfrischende Mischung aus rotzigem, melodischem Punkrock und so ’billyzeugs mit geilem weiblichen Gesang und frechen deutschen und englischen Texten zwischen Persönlichem, Lebenslust, Selbstverständnis, System- und Szene-Kritik und Morbidem. So bekommt der Kapitalismus ebenso sein Fett weg wie heuchlerische Szeneangehörige, man schaut gerne mal tiefer ins Glas, kloppt sich für 1860 München, fährt auf blutige Romantik ab und macht aus Nancy Sinatras Wanderstiefeln „Riot Boots“. Hier und da wird auch die Neonazi-Vergangenheit der Sängerin bzw. die Verarbeitung jener textlich angeschnitten. Höhepunkt ist aber sicherlich die Hommage an sächsische Stecher: „Ja, Baby, sag ‚Sau’ zu mir auf sächsisch! Sag ‚fertsch’ wenn du fertig bist und gleich noch mal von vorn!“ Da dürfte selbst der Sachen-Paule ’ne rote Rübe kriegen. Der bayrisch-sächsische Kulturaustausch scheint also bestens zu funktionieren. Die Platte wirkt abwechslungsreich, unverkrampft und frei von Scheuklappen. Lediglich bei den deutschen Texten holpert es hier und da noch ein wenig, besonders beim Refrain des ersten Songs: „Wir, nur wir, sind arglistige Toi!schung, trinken literweise Bier und sind ’ne herbe Enttäuschung“ Mitgröhlkompatibel ist das nicht so wirklich und der Reim gibt mir auch zu denken (ähem…). Das Digipak der CD kommt übrigens mit gezeichnetem Cover im Tattoo-Stil und das dicke Booklet enthält neben allen Texten richtig gute Fotos, auf denen zwar kräftig gepost wird, die die Grenze zum Peinlichen aber nie überschreiten und verdeutlichen, dass die Band, vor allem mit Gitarristin Anna, durchaus auch was fürs Auge bietet. Das Album sollte sich verkaufen wie geschnitten Brot, nicht nur in Sachsen, haha. 😉 Bleibt nur zu hoffen, dass sich das Ganze nicht irgendwann tatsächlich als „arglistige Toischung“ herausstellt und die talentierte Sängerin ihr Heil (wie zweideutig) wieder in politisch völlig verwirrten, gefährlichen, menschenverachtenden Kreisen sucht. 15 Songs in satten 54 Minuten. 2-. Günni